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Das schrecklichste Wort in der deutschen Sprache....

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  • Das schrecklichste Wort in der deutschen Sprache....

    Hallo in die Runde,

    Ich gehöre hier ja zu den Geschichtenonkeln und setze mich allein schon deswegen oft mit der Sprache auseinander. Dazu kommt noch, dass mich Sprache auf fast allen Ebenen interessiert. Vor Jahren hat das Goethe-Institut in einer Abstimmung einmal das schönste deutsche Wort gesucht und gewonnen hat diese Abstimmung der Begriff "Habseligkeiten". Bei Kindern stand das Wort "Libelle" hoch im Kurs und auch sehr weit nach oben schaffte es das Wort "lieben" - weil es nur einen Vokal von "leben" entfernt ist.

    Ich fragte mich nun, was denn wohl das schrecklichste Wort in der deutschen Sprache ist. Und für mich ist die Antwort klar: "Geschlechtsverkehr". Ich finde wohlgemerkt nicht die Sache schrecklich, die dieses Wort beschreibt, im Gegenteil. Aber das Wort finde ich für das, was es beschreibt einfach unglaublich unpassend. Warum?

    Das, was mit "Geschlechtsverkehr" gemeint ist, ist ja - da werden mir wohl hier alle zustimmen - etwas Sinnliches. Es hat mit Liebe, Nähe und Hingabe zu tun. Mit Wärme, Intimität und Entspannung. Es ist etwas, was man gerne tut, was man genießt. Ganz nebenbei kann bei bestimmten Spielarten dieser Tätigkeit sogar noch neues Leben entstehen. Und das wird dann mit diesem linguistischen Abtörner namens "Geschlechtsverkehr" bezeichnet. Bei "Verkehr" denke ich als Allererstes an Lärm, Umweltverschmutzung, Verspätungen und Staus. Das erste, was mir in den Sinn kommt, ist eine rappelvolle Autobahn. Und als ob das noch nicht genug wäre, steht in diesem Wortungetüm auch noch das Wort "schlecht" mit drin. Überhaupt suggeriert dieses Wort, als sei das, was es bezeichnet, so eine Art notwendiges Übel. Etwas, das zwar irgendwie da sein muss, worauf man aber eigentlich lieber verzichten würde. Die Nüchternheit und Staksigkeit dieses Begriffs weckt bei mir Assoziationen mit der Medizin und steht für mich auf einer Stufe mit Wörtern wie "Magenresektion" oder "Rückenmarksnarkose".

    Wenn man sich die Bedeutung des gesamten Wortes anguckt, dann stehen mir ehrlich gesagt noch mehr die Haare zu Berge. "Geschlechtsverkehr" ist so etwas wie der Umgang der Geschlechter miteinander und irgendwie suggeriert die Bezeichnung für mich, als wäre "Geschlechtsverkehr" die einzige Art von Umgang, den die Geschlechter miteinander haben. Als würden die Geschlechter nur für diese eine Tätigkeit überhaupt zusammen kommen. Das trifft bei vielen Hühnervögeln durchaus zu, aber es verkennt doch ganz stark die Situation beim Menschen, finde ich. "Die Geschlechter"? Plural? Ja. Denn "Geschlechtsverkehr" ist ja "Verkehr" zwischen "Geschlechtern". Mit anderen Worten: Sobald diese sinnliche, liebevolle Tätigkeit von zwei Menschen gleichen Geschlechts ausgeübt wird, was den meisten, die hier mitlesen, ja zumindest gedanklich nicht fremd sein dürfte, ist es überhaupt kein "Geschlechtsverkehr" mehr, sondern allenfalls "Männerverkehr" oder "Frauenverkehr". MIt anderen Worten: Dieser Begriff klingt nicht nur scheiße und weckt blöde Assoziationen. Er ist auch insofern diskriminierend, als dass er sexuelle Kontakte zwischen Menschen gleichen Geschlechts schon von Begriffs wegen ausschließt.

    Sieht das die Community ähnlich?

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  • #2
    Brillant argumentiert, lieber Daniel!










    "Das Geheimnis des Lebens liegt im Suchen nach Schönheit" - Oscar Wilde (1854 - 1900)
    "Schönheit liegt im Auge des Betrachters" - Thukydides (455 - 396 v.Chr.)

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    • #3
      Naja, GV wirkt etwas amtsdeutsch, gerichtsdeutsch gar: Wann hatten Sie zuletzt Verkehr?? ...

      "Sex haben" wirkt für mich noch immer fremd. Das ist ein Anglizismus - "to have sex".

      Mehr fällt mir auf die Schnelle dazu nicht ein.

      Kommentar


      • #4
        Zitat von chichi Beitrag anzeigen
        Naja, GV wirkt etwas amtsdeutsch, gerichtsdeutsch gar: Wann hatten Sie zuletzt Verkehr?? ...

        "Sex haben" wirkt für mich noch immer fremd. Das ist ein Anglizismus - "to have sex".

        Mehr fällt mir auf die Schnelle dazu nicht ein.
        Um mit Deinem letzten Satz anzufangen: Mir fällt noch etwas dazu ein, nämlich dieses herrliche Lied: https://www.youtube.com/watch?v=QVBmRCev6Ak

        Um ganz ehrlich sein: Ich mag die Bezeichnung "Sex haben". Irgendwie klingt das für mich deutlich mehr nach Vergnügen als "Geschlechtsverkehr". Und ich habe nichts gegen Fremdworte wenn sie es einem erlauben, sich differenzierter und besser auszudrücken. Unsere Sprache ist voll davon, wir merken es nur nicht. Man kann über Scheinanglizismen wie "Handy", "Oldtimer" oder "Public viewing" trefflich streiten, aber wenn man das "Handy" durch ein "Mobiltelefon" ersetzt, dann habe ich vermeintliches Englisch eingetauscht gegen einen Mischmasch aus Griechisch und Latein und wenn man ein Sprachpurist ist, wird man sicher die Frage stellen, was schlimmer ist. Sprache ist ja etwas, was permanentem Wandel unterworfen ist und Sprachen tauschen sich auch untereinander aus. Es entsteht manchmal der Eindruck als würde das Deutsche durch den Einfluss von Fremdwörtern bedroht, aber diese Angst ist erstens nicht neu und zweitens halte ich sie auch für unberechtigt.

        Ich habe mal einen Erlass Friedrich II. gelesen, der sich mit der Pflanzung von Obstbäumen beschäftigte. Geschätzt ein Drittel der Wörter war Französisch und ich weiß nicht ob jemand, der nie Französisch gelernt hat, dort durchgestiegen wäre. Unsere Sprache ist voller Fremdwörter und das ist schon seit Jahrhunderten so. Aber, oh wunder, wenn man sich "benachbarte Sprachen" anschaut, dann trifft man auch auf deutsche Wörter. "to abseil" wird im Englischen für "sich abseilen" verwendet. In der wissenschaftlichen Sprache kommt sehr oft das deutsche Wort "Ansatz" vor (für den Ansatz einer Gleichung). Im Französischen heißt ein Oberlicht "Vasistdas" ("Was ist das?") und ein alberner Mensch wird als "Loustich" bezeichnet. Auch vom "Waldsterben" wird in Frankreich gesprochen. Eher kurios mutet das tamilische Wort "Emtan" an, das so viel wie "schlauer Fuchs" bedeutet. Es kommt vom Namen des deutschen Kriegsschiffs "Emden", das im ersten Weltkrieg im indischen Ozean gekreuzt ist und die Truppen der Entente in Angst und Schrecken versetzt hat.

        Ich gehe noch ein Stück weiter und stelle mich auf den Standpunkt, dass man bestimmte Dinge einfach nicht in jeder Sprache gleich gut ausdrücken kann. Das Deutsche scheint im Bereich der "sanften Erotik" echte Defizite zu haben. Der ehrwürdige Johann Wolfgang von Goethe meint dazu:

        Zitat von Goethe
        Gib mir statt "der Schwanz" ein ander Wort, o Priapus,
        Denn ich Deutscher, ich bin übel als Dichter geplagt.
        Griechisch nennt ich dich Phallos, das klänge doch prächtig den Ohren,
        Und lateinisch ist auch Mentula leidlich ein Wort.
        Mentula käme von Mens, der Schwanz ist etwas von hinten,
        Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß.
        Es ist sicher richtig, Fremdwörter mit Augenmaß einzusetzen und sich nicht in unverständlichen Konstruktionen zu verlieren, wie sie manchmal die Werbung hervorbringt. "Come in and find out" ist so ein Beispiel für einen Claim (ich könnte jetzt auch "Slogan" schreiben, aber das wäre genauso englisch), der sehr oft falsch verstanden wird. Die wirklich einprägsamen "Werbesprüche" (das deutsche Wort klingt für mich immer abschätzig) sind nämlich immer gut verständlich: "Brille. Fielmann." "Vorsprung durch Technik" (ist sogar Engländern gut bekannt!). "ARAL. Alles super." "Da gibt's doch auch was von ratiopharm!" Aber Überraschung: "Reines Deutsch" sind sie alle nicht. "Brille" kommt vom "Beryll" (griechisch mit indischen Wurzeln), einem Edelstein, der früher zu Linsen geschliffen wurde. "Technik" kommt vom griechischen "technetos" ("künstlich") und "super" ist latein. Und auch "ratiopharm" ist nicht deutsch, sondern wieder ein Mischmasch aus Griechisch und Latein.

        Die Quintessenz daraus: Man kann richtiges und gutes Deutsch sprechen und schreiben und trotzdem Fremdwörter verwenden. Entscheidend ist in meinen Augen das erwähnte Augenmaß. Ob einem eine Wortkonstruktion dann gefällt - bestehe sie nun aus deutschen oder fremdsprachigen Wörtern - ist natürlich eine ganz andere Frage, denn Sprache hat ja auch ihre ganz eigene Ästhetik. Und in dem Zusammenhang gefällt mir der englische "Sex" halt deutlich besser als der deutsche "Geschlechtsverkehr".

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        • #5
          Lehnwörter in fremden Sprachen sind ja häufig. kindergarten hat es bis nach Amerika geschafft, schlagbaum, kurort und butterbrot ins Russische, le waldsterben ins Französische. Da kommen sprachliche Einflüsse von Einwanderern, Höflingen oder gesellschaftliche Tendenzen ins Spiel. Die Produkt-/Unternehmensmarken Lidl und Singer, streng romanisiert ausgesprochen, kennt man in Frankreich bestens. Bei Hofe sprach man über Jahrhunderte Französisch, die Sprache der Salons und der Diplomatie. Lange brauchten Diplomaten daher auch gar keine Dolmetscher.

          So, ich gehe jetzt dann mal ... zum ... Geschlechtsverkehr. Oder so.

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          • #6
            Hallo Daniel,

            zu Deiner ursprünglichen Frage nach dem "schrecklichsten" Wort bin ich etwas anderer Menung. Es kommt nicht auf das Wort als solches an, sondern wie man es benutzt. Es gibt kaum einen Begriff, den ich mehr hasse als "Political Correctness" und deren Vertreter. Denn das ist Augenwischerei. Wenn jemand sagt "In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Neger. Das sind prächtige Leute, mit dernen ich gerne zusammen bin", dann ist für mich nichts dagegen zu sagen. Wenn dagegen jemand sagt "Ich hasse dieses Pack von Farbigen und Migranten in meinem Viertel, die sollen sich zu Teufel scheren", dann ist das grob daneben.

            Für mich ist "Geschlechtsverkehr" ein eher neutrales Amtsdeutsch, das zwar nicht gerade schön ist, wie viele amtsdeutsche Ausdrücke. Viel schlimmer ist da für mich, wenn positive Worte euphemistisch missbraucht werden, etwa "Der Angeklagte liebte das Opfer an diesem Abend fünf Mal".

            Mit den Fremdwörtern sehe ich es ähnlich wie Du. Wenn es für einen Begriff kein passendes deutsches Wort gibt oder ein Fremdwort den Sachverhalt besser trifft als ein deutsches Wort, ist nichts gegen ein Fremdwort zu sagen. Wenn es dagegen ein treffendes deutsches Wort gibt, sollte man das benutzen. Gar nicht so selten wissen Leute, die sich mit Fremdwörtern schmücken wollen, gar nicht, was die Wörter wirklich bedeuten. Das zeigt sich gerade bei den Scheinanglizismen. Dazu fällt mir noch der "Body Bag" ein, der eigentlich "Leichensack" bedeutet.

            Zu Griechisch und Latein ist zu sagen, dass sie halt in der Wissenschaft und anderen Bereichen diejenigen Sprachen waren, mit denen man sich international verständigen konnte. Natürlich war auch das manchmal eine Mode-Erscheinung, so dass sich ein Philipp Schwartzerdt "Melanchton" nannte oder ein Johann Müller nach seiner Heimatstadt Königsberg "Regiomontanus" nannte.

            Dabei bin ich mir bei etlichen griechischen und lateinischen Wörtern nicht sicher, wie weit man sie als Fremdwörter betrachten muss oder als Lehnwörter betrachten kann, denn viele sind derart eingeführt, dass es schwierig ist, dafür gut passende deutsche Wörter zu finden. Krampfhafte Eindeutschungen wie "Viertopfzerknalltreibling" für "Vierzylinder-Explosionsmotor" sind daneben und auch "abdonnern" für "detonieren" habe ich noch nicht gehört.

            Umgekehrt waren im 19. und (erste Hälfte) 20. Jahrhundert viele Deutsche in etlichen Wissenschaften bedeutend, so dass Deutsch eine wichige Wissenschaftssprache war und ist. Interessant ist, dass es in der Medizin viele gebräuchliche deutsche Wörter gibt, während diese Wörter im Englischen fehlen, da werden nur die griechischen und lateinischen Wörter benutzt.

            Die "Brille" sehe ich eindeutig als Lehnwort, auch "Technik" und "super" könnten dazu gehören, da sie erheblich anders als in den ursprünglichen Sprachen benutzt werden. Lediglich beim Element 43 Technetium hast Du die ursprüngliche Bedeutung. Es war das erste künstlich erzeugte Element, das in der Natur nicht oder allenfalls in Spuren vorkommt.

            Ein griechisch-lateinisches Unwort ist für mich "homosexuell", denn es gibt auch ein lateinische Wort "homo" in der Bedeutung "Mensch", was zu falschen Assoziationen führen kann.

            "Sex" statt "Geschlechtsverkehr" passt auch nicht ganz, denn es bedeutet ja lediglich "Geschlecht" und nicht "geschlechliche Handlung".
            Viele Grüße, Werner

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            • #7
              Hallo @werner-ulm: "Viertopfzerknalltreibling finde ich großartig! Das hätte sich Philipp von Zeesen, dem wir die "Anschrift" für die "Adresse" verdanken und der erfolglos versuchte, die "Dörrleiche" für die "Mumie" zu etablieren, nicht besser ausdenken können.

              Mein Ausgangspunkt war eigentlich eine ästhetische Fragestellung. Und ich finde, bei kaum einem Wort gehen das, was es beschreibt und die Assoziation, die das Wort weckt, so weit auseinander. Wenn man den bloßen Wortsinn anschaut, hat man natürlich diesen Eindruck nicht. Im Übrigen ist "sex" im Englischen längst nicht nur die Bezeichnung für "Geschlecht". chichi hat es völlig richtig benannt: "To have sex" heißt "Miteinander schlafen" oder "Geschlechtsverkehr haben". Das Englische kennt dafür übrigens auch die wunderbare Bezeichnung "to rock and roll" - ein Grund, warum der gleichnamige Musikstil zu Anfang auf so große Empörung stieß. Und ich halte es mit dem Electric Light Orchestra, das ein Stück namens "Rock'N'Roll is king" herausgebracht hat, das ich sehr gern mag.

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              • #8
                Vielleicht noch ein paar Überlegungen zur Sprachästhetik des Deutschen. Der Vergleich von "Geschlechtsverkehr" und "to rock and roll", die ja beide das gleiche bedeuten können, bringt auf den Punkt, warum es im Deutschen möglicherweise an schönen Wörtern für "Sex haben" fehlt. Deutsche Wörter sind durch das Prinzip des zusammengesetzten Substantivs ja oft relativ lang und lange Wörter bringen ja oft eine gewisse Staksigkeit mit sich - vor allem weil sie oft - gewollt oder ungewollt - andere Wörter mit anderen Assoziationen enthalten können, wie zum Beispiel "Geschlechtsverkehr", das "schlecht" enthält ohne, dass es etwas damit zu tun hat (wenn man nicht gerade ein Keuschheitsgelübe abgelegt hat). "to rock and roll" heißt ja ungefähr "schaukeln und sich wälzen" oder "schaukeln und schwanken". Zumindest in Bezug auf die Bewegungen kommt das "Sex haben" ja wesentlich näher als "Geschlechtsverkehr". Als eine schöne deutsche Umschreibung dafür kommt es mir aber auch nicht vor, vielleicht weil "schaukeln und sich wälzen" wesentlich länger ist als "to rock and roll".

                Im Grunde ist es aber natürlich irgendwo eine Assoziationsfrage - das merke ich sehr genau, wenn ich in Geschichten Sex beschreibe. Wenn es mit ordentlich Schmackes zur Sache geht, dann wird "gefickt" oder "gevögelt". Wenn aber zwei Kerle einfach sehr zärtlich miteinander sind, dann verwende ich solche Wörter nicht. In solche Situationen benutze ich inzwischen meist den Terminus "eindringen". Das in meinen Augen schönste im Deutschen gebräuchliche Verb für "Sex haben" ist aus meiner Sicht übrigens "poppen". Das lässt zumindest die Idee aufkommen, dass das, was sich dahinter verbirgt, Spaß machen könnte, auch wenn es hart an der Grenze zur albernheit ist, die die Begriffe "pimpern" und "vögeln" für mich schon überschritten haben. "bumsen" klingt für mich eher wie ein Terminus aus der Materialbearbeitung wenn ich ehrlich bin. In Bremen gab es in meiner Jugend übrigens eine Radiocomedy, die es geschafft hat, den Begriff "pimpim" für "Sex haben" zumindest für eine Weile bei einem Großteil ihrer Klientel zu etablieren.

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                • #9
                  Vielleicht noch ein paar Überlegungen zur Sprachästhetik des Deutschen. Der Vergleich von "Geschlechtsverkehr" und "to rock and roll", die ja beide das gleiche bedeuten können, bringt auf den Punkt, warum es im Deutschen möglicherweise an schönen Wörtern für "Sex haben" fehlt. Deutsche Wörter sind durch das Prinzip des zusammengesetzten Substantivs ja oft relativ lang und lange Wörter bringen ja oft eine gewisse Staksigkeit mit sich - vor allem weil sie oft - gewollt oder ungewollt - andere Wörter mit anderen Assoziationen enthalten können, wie zum Beispiel "Geschlechtsverkehr", das "schlecht" enthält ohne, dass es etwas damit zu tun hat (wenn man nicht gerade ein Keuschheitsgelübe abgelegt hat). "to rock and roll" heißt ja ungefähr "schaukeln und sich wälzen" oder "schaukeln und schwanken". Zumindest in Bezug auf die Bewegungen kommt das "Sex haben" ja wesentlich näher als "Geschlechtsverkehr". Als eine schöne deutsche Umschreibung dafür kommt es mir aber auch nicht vor, vielleicht weil "schaukeln und sich wälzen" wesentlich länger ist als "to rock and roll".

                  Im Grunde ist es aber natürlich irgendwo eine Assoziationsfrage - das merke ich sehr genau, wenn ich in Geschichten Sex beschreibe. Wenn es mit ordentlich Schmackes zur Sache geht, dann wird "gefickt" oder "gevögelt". Wenn aber zwei Kerle einfach sehr zärtlich miteinander sind, dann verwende ich solche Wörter nicht. In solche Situationen benutze ich inzwischen meist den Terminus "eindringen". Das in meinen Augen schönste im Deutschen gebräuchliche Verb für "Sex haben" ist aus meiner Sicht übrigens "poppen". Das lässt zumindest die Idee aufkommen, dass das, was sich dahinter verbirgt, Spaß machen könnte, auch wenn es hart an der Grenze zur albernheit ist, die die Begriffe "pimpern" und "vögeln" für mich schon überschritten haben. "bumsen" klingt für mich eher wie ein Terminus aus der Materialbearbeitung wenn ich ehrlich bin. In Bremen gab es in meiner Jugend übrigens eine Radiocomedy, die es geschafft hat, den Begriff "pimpim" für "Sex haben" zumindest für eine Weile bei einem Großteil ihrer Klientel zu etablieren.

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                  • #10
                    Hallo Daniel,

                    ich denke mal, in allem Sprachen gibt es wenige schöne Worte im Bereich von sexuellen Handlungen, Körperausscheidungen und verwandten Bereichen. Entweder sind sie klinisch steril, etwas lächerlich oder werden als anstößig empfunden. Von letzteren gibt es reichlich. Lange Wörter und Ausdrücke können staksig sein, sie können aber auch lieblich sein.

                    Beim Vergleich zwischen Deutsch und Englisch (andere Sprachen kenne ich zu wenig) ist mir aufgefallen, dass es im Deutschen (insgesamt, nicht sexuell) recht viele bildhafte bis blumige Ausdrücke und Redewendungen gibt, zu denen mir leo.org im Englischen nur ein fades Standardwort zeigt. Umgekehrt gibt es das natürlich auch, aber deutlich weniger.

                    Dein "mit ordentlich Schmackes" bringt mich zur Differenzierung der Wortebenen. Da gibt es in einigen Bereichen eine Vielfalt an Wörtern und Ausdrücken, in anderen ist es sehr mager. Das mit der Albernheit sehe ich weniger eng als Du.
                    Viele Grüße, Werner

                    Kommentar


                    • #11
                      Natürlich empfindet jeder Wörter unterschiedlich. Ich merke das sehr stark bei den verschiedenen Ausdrücken für das männliche Geschlechtsteil, die ich selbst beim Schreiben sehr unterschiedlich benutze. So anatomisch-klinisch "Penis" klingt - es gibt Situationen, in denen ich dieses Wort als prickelnd und erregend empfinde. Für mich drückt es eine ganz bestimmte Form von Ehrerbietung aus, die in manchen erotischen Situationen eben einfach da ist.

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